Hilfe bei Suizid/Selbstmord

Suizid - Selbstmord?

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Begriff Selbstmord gilt heute als überholt. Mord ist eine Straftat, ein Mensch der sich selbst das Leben nimmt, mordet nicht. Das Wort Selbstmord entstand als Lehnübersetzung des neulateinischen „suicidium“ im 17. Jahrhundert. Heute verwendet man die Begriffe Suizid, Selbsttötung oder Freitod.

Hilfe für Angehörige nach einem Suizid

"Ich habe das Gefühl, wir sind die einzigen im Ort, denen so etwas passiert", Nein! Es ist nur Ihr Gefühl in der Trauer. Außerdem ist Tod immer noch  ein Tabu-Thema, Suizid erst recht. In der Trauer kommt zusätzlich noch oft das Gefühl dazu: "Nur bei uns?" Nein! Nicht nur bei Ihnen!  Dieser Gedanke macht jedoch deutlich, dass noch viel in der Trauer-Aufklärungsarbeit geschehen muss.
 
Alles ist anders, nichts ist mehr so, wie es war. Ein Suizid verändert oft anders als bei weiteren Todesarten das Leben der Hinterbliebenen. Neben dem Verlust stellt sich oft die Frage nach dem "Warum", eigene Schuld wird häufig gefühlt, Schuldzuweisungen anderer belasten zusätzlich. Chaos total, das gemeinsame Leben wird hinterfragt, geglaubte "heile" Welt von jetzt auf gleich zerstört. Möglichkeiten, damit weiter zu leben, finden sich leichter zusammen mit anderen.

Das Wort, das einem hilft, kann man sich selbst oft nicht sagen. Die Trauer nach einem Suizid ist sehr schwer; hilfreich sind in dieser Zeit Menschen, mit denen sie offen über die Todesart und ihre Trauer darüber reden können.

Menschen, die ihre Vielzahl unterschiedlicher Gefühle manchmal einfach "nur" aushalten.

Kinder und Jugendliche sind den Informationen Erwachsener oft ausgeliefert.
Die Unfassbarkeit eines Suizid lässt uns Erwachsene oft sprachlos und hilflos werden gegenüber Kindern und Jugendlichen. Es stellen sich Fragen wie z.B.: Wie erkläre ich es meinem Kind? Darf, kann oder sollte mein Kind die Wahrheit wissen? Wie soll ich auf Fragen reagieren, wenn ich doch selbst keine Antwort finde?
 
AGUS e.V. hat dazu 2007 eine Broschüre (28 Seiten, DIN A 5) herausgegeben für Erwachsene, vor allem für Eltern:
 
"Trauer nach Suizid bei Kindern und Jugendlichen"
ISBN 978-3-941 059-00-9
Herausgeber: AGUS e.V.
Autoren: Paul, Chris und Brockmann, Elisabeth

Sie kann beim AGUS-Büro bestellt werden und kostet incl. Versand 6,- Euro.

Suizidalität in Deutschland

"Wir durften ihn nicht mehr sehen"
Trauernde nach dem Suizid eines Angehörigen

Der Sarg muss geschlossen bleiben, wegen der Unfallverletzungen, wehrt mancher Polizist, Bestatter oder Staatsanwalt ab. Und ergänzend dazu: Behalten Sie den Verstorbenen ohne diesen schrecklichen letzten Anblick in guter Erinnerung, so wie sie ihn kannten.

Jedoch hilft es vielen Menschen in der Trauer, den Verstorbenen noch einmal zu sehen um zu begreifen: Er ist tot. Ich habe mich davon überzeugen können, dass er nicht mehr atmet, sich nicht mehr bewegt. Er wird nicht mehr nach Hause kommen. Bei guter Begleitung am Sarg, auch durch den Bestatter, werden sie auch weiterhin Bilder aus "alter" Erinnerung in sich haben.

Leider kommt es immer noch zu häufig vor, dass es Menschen massiv abgeraten wird, einen verstorbenen Angehörigen nach einem Unfall- oder Suizidtod zu sehen, am offenen Sarg Abschied zu nehmen. Auch wenn bei dem Gedanken daran viele Menschen erschrecken, möchte ich an dieser Stelle deutlich machen: Das Recht darf Ihnen nicht verwehrt werden!

Und genau das macht einen guten Bestatter aus, wenn er den betroffenen Angehörigen dazu verhilft, einen guten Abschied zu nehmen. Angehörige, die für ihre Verstorbenen das Totensorgerecht ausüben, benötigen keine Genehmigung des Bestatters für einen Abschied am offenen Sarg.

Sie sind auch nicht verpflichtet, den ersten Bestatter, der zunächst im amtlichen Auftrag der Polizei agiert, mit der Bestattung zu beauftragen. Sie können sich einen weiteren Bestatter ihres Vertrauens selbstständig aussuchen.

Es gibt Bestatter, die auch auf das Kaschieren der Verletzungen z.B. von Unfalltoten spezialisiert sind. Sie können - auch unter widrigen Umständen - eine würdige und heilsame Abschiednahme am offenen Sarg ermöglichen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, den Verstorbenen durch Tücher an stark verletzten Stellen abzudecken, um dabei unversehrte Körperstellen, die fast immer vorhanden sind, wie einen Arm, eine Hand, ein Bein oder Fuß den Blicken frei zu geben.

Wie bei optischen Täuschungen (bei denen ein halbes Wort geschrieben ist, das menschliche Gehirn aber sofort das ganze Wort erkennt) wird auch hier die Wiedererkennung funktionieren. Ich sehe die Hand des bekannten Menschen, erkenne sie wieder und dadurch diesen Menschen.

Das Sehen und Begreifen des Todes, des Verlustes ist den meisten Menschen eine große Hilfe in der Trauerbewältigung.  Fühlen Sie sich unsicher, könnte es Ihnen vielleicht eine Hilfe sein, sich einen vertrauten Menschen zur Unterstützung mitzunehmen oder den Bestatter, die Bestatterin nach Begleitung zu fragen.

Suizid Statistik

Derzeit sterben ca. 10.000 Menschen pro Jahr an Suizid in Deutschland, es gibt weit über 100.000 Suizidversuche pro Jahr. Von jedem Suizid sind nach WHO ca. sechs nahe stehende Personen betroffen. Prof. Schmidtke aus Würzburg, der das Nationale Suizidpräventionsprogramm leitet, plädiert sogar für 6 bis 23 Personen. Berücksichtigt werden müssen Angehörige, aber auch die Krankenschwester, den zugehörigen Arzt usw. Die Betroffenheit gilt für alle, nicht nur für Angehörige.

Alle 47 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch durch Selbsttötung. Alle 4 Minuten versucht ein Mensch sich das Leben zu nehmen. In den letzten 10 Jahren starben mehr als 110 000 Menschen durch Suizid und weit über 1 Million versuchten, sich selbst zu töten. Mehr als ½ - 1 Million Menschen sind vom Suizid eines nahe stehenden Menschen betroffen.

Quelle: AGUS e.V. Jahrestagung 19.10.2008  Vortragsmitschrift  Prof. Wolfersdor

Ihre Mechthild Schroeter-Rupieper
Lavia - Institut für Familientrauerbegleitung
Hilfe bei Suizid/Selbstmord